Aktuelle Diskurse im
Kulturbereich II: Kulturfinanzierung/Schuldenbremse
Fragen der Kulturfinanzierung beschäftigen
den Deutschen Kulturrat bereits seit vielen Jahren. Dabei geht es unter
anderem um die folgenden teils miteinander verbundenen Fragestellungen:
- Sicherung einer kulturellen Infrastruktur, die die Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglicht,
- Sicherung von Freiräumen, um Spielräume für Experimente und Kunst zu erlauben, die nur wenige interessieren,
- Ermöglichung von neuen Projekten und Innovationen im Kulturbereich,
- Veränderungen im Haushaltsrecht, um Zuwendungsempfängern Spielräume
für die wirtschaftliche Verwendung von Mitteln zu geben, hierzu gehört
auch die Lockerung des sogenannten Besserungsstellungsverbots für
Beschäftigte von Zuwendungsempfängern,
- Verbesserung der Rahmenbedingungen für die private Kulturfinanzierung.
Hören Sie ein aktuelles Interview mit dem Präsidenten des Deutschen Kulturrates
Prof. Dr. Max Fuchs zu Strukturfragen im Kulturbetrieb in Sendung
Mosaik von WDR 3
.
Bürgerschaftliches Engagements
Seit Ende der 1990er Jahre gewinnen Fragen der privaten
Kulturfinanzierung an Bedeutung. Der Deutsche Kulturrat hat sich in der
14. Wahlperiode des Deutschen Bundestags (1998-2002) stark für die
Verbesserung des Stiftungssteuer- und des Stiftungsrechts eingesetzt.
Beide Gesetzesvorhaben wurden von dieser Wahlperiode auf den Weg
gebracht. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen verzeichnet seit dem
Ende der 1990er Jahre einen deutlichen Anstieg an Stiftungsgründungen,
die u.a. auch die Förderung von Kunst und Kultur oder von kultureller
Bildung zum Zweck haben.
In der
Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" (1999-2002) war die weitere Verbesserung von Rahmenbedingungen für
bürgerschaftliche Engagierte aus dem Kulturbereich ein Thema. In diesem
Zusammenhang wurden auch Vorschläge zur Veränderung des Zuwendungsrechts
vom Sachverständigen Mitglied Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates, eingebracht, die von der Enquete-Kommission
getragen und im Schlussbericht empfohlen wurden.
Seit 2005 arbeitet der Deutsche Kulturrat zusammen mit
Dachverbänden anderer Engagementfelder (u.a. Naturschutz, Sport,
Entwicklungshilfe, Wohlfahrtspflege) im
Bündnis für Gemeinnützigkeit zusammen.
Hier geht es um die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches
Engagements. Zusammen mit den anderen im Bündnis für Gemeinnützigkeit
versammelten Verbänden hat der Deutsche Kulturrat Anfang 2010 die
Genshagener Erklärung des Bündnis für Gemeinnützigkeit verabschiedet, in der u.a. folgende Forderungen erhoben werden:
- die Entwicklung einer kohärenten nationalen Engagementstrategie im
Zusammenwirken von Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft,
- die Verbesserung des Spenden- und Gemeinnützigkeitsrechts insbesondere mit Blick auf die Abgrenzung zum Wettbewerb am Markt,
- die Entbürokratisierung des staatlichen Zuwendungsrechts,
- die Schaffung verbesserter Rahmenbedingungen und von mehr Rechtssicherheit für Freiwilligendienste,
- die Verbesserung der wissenschaftlichen Forschung zum bürgerschaftlichen Engagements,
- die Erhebung amtlicher statistischer Daten zum bürgerschaftlichen Engagements,
- die Berücksichtigung der Besonderheiten von Sozial- und Kulturdienstleistungen im europäischen Beihilferecht.
Aufgrund der hohen Relevanz von Fragen des
bürgerschaftlichen Engagements im Kulturbereich hat der Sprecherrat von
2002 bis 2011 einen Fachausschuss Bürgerschaftliches Engagements
berufen. Aktuell werden die Fragestellungen im
Fachausschuss Steuern des Deutschen Kulturrates und im
Sprecherrat diskutiert.
Kulturfinanzierung
In der Stellungnahme "Kultur-Enquete:
Staatsverständnis, Staatsziel Kultur und öffentliche Kulturfinanzierung"
wird u.a. formuliert:
"Der Deutsche Kulturrat begrüßt die Vorschläge der Enquete-Kommission für eine Stärkung der interregionalen und interkommunalen Zusammenarbeit.
Ein Baustein sollte dabei die Zweckbindung von Haushaltsmitteln für
Kultur im kommunalen Finanzausgleich sein. Ebenso unterstützt der
Deutsche Kulturrat die Empfehlung, dass aus öffentlichen Mitteln
finanzierte Kulturfördereinrichtungen deutlich machen sollten,
„an welche Adressaten sie sich richten, welche Ziele und Grundsätze sie
verfolgen, nach welchen Kriterien sie fördern und wie die
Entscheidungsverfahren von der Sichtung bis zur Entscheidungsbegründung
geregelt sind“.
Mit Nachdruck unterstützt der Deutsche Kulturrat die Empfehlung der
Enquete-Kommission, dass die öffentliche Hand den von ihr geförderten
Fonds die Mittel zur Selbstbewirtschaftung nach § 15 Abs. 2
Bundeshaushaltsordnung zuweisen möge. Der Deutsche Kulturrat verweist in
diesem Zusammenhang auf seine Stellungnahme zu den
engagementpolitischen Vorschlägen der Enquete-Kommission. Hier nimmt der
Deutsche Kulturrat auch zu anderen zuwendungsrechtlichen Vorschlägen
der Enquete-Kommission Stellung.
Der Deutsche Kulturrat unterstützt mit Nachdruck die Empfehlung,
die Förder- und Trägerstiftungen von Bund, Ländern und Kommunen entweder
mit einem angemessenen Stiftungskapital auszustatten oder aber
langfristige Finanzierungsvereinbarungen einzugehen. Nur so kann die
Stiftungsidee umgesetzt werden. Ebenso sollten die Entscheidungsgremien
staatsfern besetzt werden.
Die Empfehlung der Enquete-Kommission, nach der ein regelmäßiges Projekt- und Zuwendungscontrolling stattfinden sollte, ist aus Sicht des Deutschen Kulturrates
interessant. Bevor ein weiteres zusätzliches Berichtswesen eingeführt
wird, muss aber zunächst zusätzliches Personal für die jeweiligen
Zuwendungsempfänger bereitgestellt werden, damit diese Berichtsaufgaben
wahrgenommen werden können. Jede zusätzliche Evaluierung ohne
zusätzliches Personal geht sonst zu Lasten der geförderten Vorhaben."
- Städte und Gemeinden ausreichend finanziert werden müssen, um
zentrale gemeindliche Aufgaben der Daseinsvorsorge erfüllen zu können,
- die kommunalen Pflichtaufgaben nicht gehen die freiwilligen Ausgaben ausgespielt werden dürfen,
- das bürgerschaftliche Engagement in seinem Eigenwert gestärkt und nicht gegen hauptamtliche Arbeit ausgespielt werden darf.
In seiner Stellungnahme
"Kunst und Kultur als Lebensnerv - Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zur Kulturfinanzierung" hat sich der Deutsche Kulturrat intensiv mit dem Thema
auseinandergesetzt und positioniert. In der Stellungnahme werden zum
einen konkrete Forderungen an Bund, Länder, Kommunen, Stiftungen, den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie die Kirchen zur finanziellen
Förderung von Kunst und Kultur gerichtet. Zum anderen wird beschrieben,
dass der öffentliche Kulturbetrieb, der dritte Sektor und die
Kulturwirtschaft eng zusammenhängen und wie kommunizierende Röhren
aufeinander reagieren. Zum Schluss der Stellungnahme wird auch
reflektiert, dass der Kulturbetrieb insgesamt auf gesellschaftliche
Veränderungen wie den demografischen Wandel und die Digitalisierung
reagieren muss. Es wurde formuliert:
"Die skizzierten gesellschaftlichen Herausforderungen stellen die
Kultureinrichtungen und -institutionen vor neue Aufgaben. Ihre
Zukunftsfähigkeit wird auch davon abhängen, wie sie diese neuen Aufgaben
meistern werden und ob sie sie als Chance zur Weiterentwicklung
begreifen. Viele Kultureinrichtungen und -institutionen nehmen bereits
die Herausforderungen an. Sie sollten für ihre in die Zukunft
gerichteten Schritte einen Bonus erhalten, statt dass das Verharren beim
Bestehenden belohnt wird. In einem kulturpolitischen Diskurs gilt es
auch die kulturelle Infrastruktur einer Überprüfung zu unterziehen,
inwiefern sie den künftigen Anforderungen gerecht wird. Dabei sind neben
ökonomischen Parametern vor allem kulturpolitische Kriterien anzulegen,
nach denen die kulturelle Infrastruktur gemessen und bewertet werden
sollte."
Kulturfinanzierung in Politik & Kultur
In der Zeitung Politik & Kultur des Deutschen Kulturrates
spielt das Thema Kulturfinanzierung eine wichtige Rolle. Konkret
aufgegriffen wurde es in folgenden Ausgaben:
Am 21.05.2011 wurde zum ersten Mal der Aktionstag "Kultur gut
stärken" durchgeführt. Der 21. Mai wurde gewählt, weil es der von der
UNESCO ausgerufene Tag der kulturellen Vielfalt ist.
Um den 21.5.2011 wurde in 750 Veranstaltungen im gesamten
Bundesgebiet gezeigt, wie wichtig Kultur für die Gesellschaft ist,
welche Bedeutung Bürgerinnen und Bürger der Kultur beimessen und dass
die Kultur gestärkt werden.
Eine Zusammenstellung aller bislang erschienenen Newsletter "Aktuelle Diskurse im
Kulturbereich" finden Sie unter: